Die Wachau liest man am besten langsam: vom Fluss hinauf in die Weingärten und wieder hinunter zur nächsten Fähre. Auf rund 35 Kilometern liegen Weltkulturerbe, Steilterrassen und ein Dutzend Orte, die man an einem Tag sehen, aber nicht verstehen kann.
Zwei Ufer, zwei Charaktere
Die Donau teilt das Tal in zwei sehr unterschiedliche Hälften. Am linken Ufer liegen die bekannten Weinorte Dürnstein, Weißenkirchen und Spitz mit Terrassenlagen, Buschenschanken und dem größten Teil des Besucherverkehrs. Das rechte Ufer ist ruhiger, schattiger und für Radfahrende oft angenehmer.
Kleine Fähren verbinden beide Seiten mehrmals täglich und nehmen Fahrräder mit. Das erlaubt eine Reiseform, die in Österreich selten so gut funktioniert: Sie entscheiden unterwegs, wo Sie weitergehen. Fahrplanzeiten sollten Sie am Vormittag prüfen, denn die letzten Überfahrten liegen früher, als viele erwarten.
Wer nur einen Tag hat, nimmt die Bahn nach Krems, fährt mit dem Bus oder Rad bis Weißenkirchen und kehrt per Schiff oder Bahn zurück. Diese Kombination deckt Landschaft, Ort und Fluss ab, ohne dass ein Auto nötig wird.
Terrassen, Trockenmauern und warum der Wein anders schmeckt
Die Steilterrassen der Wachau sind Handarbeit über Jahrhunderte. Trockensteinmauern speichern Wärme, geben sie nachts an die Reben ab und verhindern Erosion. Sie sind der Grund, warum auf so nördlicher Breite überhaupt hochwertiger Wein entsteht – und warum die Arbeit hier teurer bleibt als in flachen Lagen.
Dominant sind Grüner Veltliner und Riesling. Die regionalen Kategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd bezeichnen keine Qualitätsstufen im engeren Sinn, sondern zunehmende Reife und Dichte. Steinfeder ist leicht und für den Nachmittag, Smaragd braucht Essen und Zeit.
Verkosten Sie am besten dort, wo produziert wird, und fragen Sie nach der Lage. Wenn Sie fahren, bleiben Sie bei Traubensaft oder Wasser: Die Kontrollen sind konsequent, und die Straßen im Tal sind schmal.
Zu Fuß: der Welterbesteig in Etappen
Der Welterbesteig Wachau umläuft das Tal auf gut 180 Kilometern. Für Reisende sind einzelne Etappen interessanter als das Ganze, weil sie mit Bahn, Bus und Schiff verbunden werden können.
- Etappe ADürnstein nach WeißenkirchenRund drei Stunden durch Weingärten und Wald mit ständigem Blick auf die Donau. Der bekannteste Abschnitt, entsprechend belebt.
- Etappe BSpitz und Rote TorSteiler Anstieg, dafür weniger Menschen und der Blick auf den Tausendeimerberg. Gute Wahl an heißen Tagen wegen des Waldanteils.
- Etappe CRechtes Ufer bei MauternFlacher Uferweg mit Nebenarmen und Auwald. Perfekt für einen späten Nachmittag oder mit Kindern.
Auf dem Rad
Der Donauradweg verläuft überwiegend flach und abseits der Hauptstraße. Zwischen Krems und Melk sind es je nach Route etwa 40 Kilometer, gut in einem Tag zu fahren, mit Pausen sogar entspannt.
Leihräder gibt es in Krems, Melk und Spitz; viele Anbieter erlauben Rückgabe an einem anderen Ort. Prüfen Sie das vorab, denn diese Einwegmiete entscheidet darüber, ob Sie sich zurück quälen oder gemütlich mit dem Zug fahren.
Im Sommer ist der Radweg nachmittags voll. Fahren Sie früh, planen Sie eine lange Mittagspause und rechnen Sie an Wochenenden mit Familiengruppen. Rücksicht kostet wenig und macht den Weg für alle angenehmer.
Wann sich die Anreise besonders lohnt
Kaum eine österreichische Region verändert sich mit der Jahreszeit so stark wie die Wachau.
| Zeitraum | Was passiert | Bewertung |
|---|---|---|
| Ende März bis April | Marillenblüte, kühle Luft, weniger Gäste | sehr empfehlenswert |
| Mai bis Juni | Grüne Terrassen, angenehme Temperaturen | empfehlenswert |
| Juli bis August | Heiß, viel Radverkehr, volle Uferwege | nur mit früher Tagesplanung |
| September bis Oktober | Weinlese, klare Luft, Sturm und Most | beste Zeit für Genussreisen |
| November bis März | Vieles geschlossen, ruhige Landschaft | nur für Spaziergänge |
Die Wachau belohnt niemanden, der sie in zwei Stunden durchfährt.
Redaktion Marchfeld Wege



Stadt & leise WinkelWien, abseits der geraden Linie
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